#63

Die kleine Schwester

Raymond Chandler

Ich hatte Chandler immer gescheut. Wahrscheinlich, weil das ganze Hardboiled-Genre über die Jahrzehnte so sehr zum Klischee geronnen war: schäbige Detektivbüros, Whisky, femmes fatales. Ein Fehler, wie ich jetzt weiß. Ich fand Die kleine Schwester großartig. Komplex, nie langweilig und erstaunlich »explizit« für sein Entstehungsjahr 1949. Und dass das alles heute nicht mehr politisch korrekt ist … na und?

Antoine und Julie

Georges Simenon

Ein alterndes Paar, er ein durch die Pariser Vorstädte tingelnder Zauberkünstler, sie Tochter aus gutem Hause. Sie führen ein stilles Leben. Aus der Zweckgemeinschaft der beiden ist über die Jahre Liebe geworden. Doch Antoine kann die Finger nicht vom Alkohol lassen.

Es gibt in Antoine und Julie einige Passagen, etwa die, in der Simenon das Gleiten von einem anfänglichen Gläschen Cognac bis in die Trunkenheit beschreibt, die ich meisterhaft geschrieben fand. Die Geschichte ist traurig, das Ende erschütternd. Eine Moral gibt es nicht, die Dinge sind, wie sie sind.

Striptease

Georges Simenon

Machtkämpfe und Intrigen im Strip-Lokal »Monico« in Cannes. Tolle Figuren und Milieuschilderungen. Aus heutiger Sicht ganz besonders schön: der Schauplatz Südfrankreich in den 50ern, als man in verruchten Nachtclubs noch zur Rumba tanzte und nur Seeleute tatauiert waren. Viele Seiten benötigt Simenon natürlich nicht.

Links 29. Dezember 2021

  • Atlas zur deutschen Alltagssprache »Lebendige Sprachen wie das Deutsche befinden sich in ständigem Wandel. Mit dem Projekt ›Atlas zur deutschen Alltagssprache‹ soll zum einen die aktuelle Vielfalt des Deutschen erfasst und anschaulich auf Karten dargestellt werden […] Durch den Vergleich der alten mit den entsprechenden neuen Sprachkarten aus der gegenwärtigen Interneterhebung können zum anderen Veränderungen des Sprachgebrauchs in den letzten 40-50 Jahren nachvollzogen werden.«
  • Raindrop.io Sehr guter Bookmark-Manager, der völlig an mir vorbeigegangen war
  • Heyoka’s Workbench: Ecce Homo »Atavistic battles of Good against Evil have replaced open debate. Ritual and symbolic acting much too often supplants consideration of facts and arguments. And an increasingly isolated caste of professional politicians who never did anything but politics has acquired a taste for authoritarian decision-making and shortcuts around facts and opposing opinions.«
  • mkln.org: E-Mail in Ermangelung an Alternativen »Dass E-Mails abgeschafft gehören, höre und lese ich schon seit Jahren. Dass E-Mail aber nicht nur eines der ersten, sondern auch eines der letzten tatsächlich offenen, vernetzten und dezentralen Systeme des Internets ist, seltener.«