Originaltitel: Anna
Jahr: 2015
Verlag: Eisele Verlag

Anna

Niccolò Ammaniti

Den Sechsteiler Anna hatte ich neulich ganz zufällig in der arte-Mediathek entdeckt und erst, als ich ihn schon fast zu Ende gesehen hatte, bemerkt, dass er nach einer Romanvorlage entstand. Autor Niccoló Ammaniti führte auch Regie. Ein Virus, »La Rossa«, tötet alle Erwachsenen und, da jeder Mensch es in sich trägt, mit Eintritt in die Pubertät auch jüngere. Vier Jahre sind seit dem Ausbruch vergangen. In einem zerstörten Sizilien, in dem es zugeht wie in einer Mischung aus Die Straße und Herr der Fliegen, muss die dreizehnjährige Anna ihren kleinen Bruder retten.

Im Gegensatz zur Serie, die Nebenhandlungen und -figuren ausbaut, Schrecken und Scheußlichkeiten zeigt, die an der Grenze des Erträglichen sind, dafür aber auch eine interessante Antagonistin hat, die es an Bösartigkeit mit Figuren wie Schwester Ratched aufnehmen kann, geht die einfacher strukturierte Vorlage fast als Jugendbuch durch. Was nun Ammaniti dazu veranlasst hat, seine eigene Geschichte für den Bildschirm so zu modifizieren, weiß ich nicht. Jedenfalls gefiel mir auch der Roman mit seinem abweichenden Ende. Ob man so etwas nach anderthalb Jahren Corona lesen möchte? Sagen wir es so: Anna lässt die tatsachliche Pandemie mit ihren Zumutungen ganz erträglich erscheinen.