Jahr: 1939 (Veröffentlichung: 2000)
Verlag: Pantheon

Geschichte eines Deutschen

Die Erinnerungen 1914-1933

Sebastian Haffner

L’etat et moi. Wie es sich anfühlt, wenn die Welt um einen herum wahnsinnig wird, sich alles Geliebte, Gewohnte auflöst, der Staat den Boden unter den Füßen wegzieht, schildert Haffner in dieser Autobiographie. Er, der gutbürgerliche »Haussohn« auf dem Weg zur Juristenkarriere, sieht sich 1933 damit konfrontiert, dass der Nationalsozialismus in alle Bereiche des Lebens sickert. Der beste Freund, ein Jude, ist in Gefahr. Ein Faschingsball, der von der SA gestürmt wird. Die staatenlose Freundin, die in Deutschland gefangen ist. Kommilitonen, die plötzlich ganz anders reden. Schließlich eine Art paramilitärischer Lehrgang für Nachwuchsjuristen, zu dessen Teilnahme Haffner gezwungen wird und bei dem es ihm beinahe unmöglich wird, dem Druck der »Kameradschaft« zu widerstehen. Er ist »Arier«, gehört keiner Partei an, Leben und Karriere könnten einfach weitergehen, er muss nur Ja zum Nationalsozialismus sagen – tut es aber nicht. Die Heimat zu verlassen, die »physische Entfernung«, scheint ihm schließlich die einzige Möglichkeit zu sein, sich dem nicht mehr wiederzuerkennenden Deutschland zu entziehen (Haffner ging zunächst nach Paris, 1938 dann nach England).

Neben Irmgard Keuns »Nach Mitternacht« die eindrücklichste Schilderung des Alltags ganz gewöhnlicher, nicht einverstandener Deutscher im frühen Nationalsozialismus, die ich kenne. Sprachlich brillant. Und beklemmend.