Narcotica

LP mit Aufschrift: The Blue Angel Lounge - Narcotica

Mein ceterum censeo, das ich ab jetzt regelmäßig wiederholen werde: The Blue Angel Lounge müssen wieder Musik veröffentlichen, denn dass es diese Band nicht mehr gibt, ist nicht hinnehmbar. Das geht einfach nicht.

Ein Lied mehr XXIV: Bo Diddley

Bo Diddley, 1955

Am Anfang war Bo Diddley. Seine Gitarre. Die Brille. Und sein bis in die musikalische Neuzeit wirkender synkopischer Beat. Wie revolutionär muss diese Musik für damalige Ohren geklungen haben? Ein Pionier war Bo Diddley auch darin, dass er weibliche Musiker in seiner Band hatte: zunächst die Gitarristin Lady Bo, dann ihre Nachfolgerin The Duchess. Schon Buddy Holly, der andere große Brillenträger des Rock’n’Roll, erwies Bo die Ehre, indem er dieses Lied aufnahm. Buddy wusste, was Sache war.

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Future of the Sea

Eine Veröffentlichung, die mir 2023 glatt entgangen ist: »Future of the Sea« der englischen Band Plank!. Ich habe eine Schwäche für instrumentalen Post Rock, oder wie immer man so eine Musik heutzutage nennt. Zu schade, dass das Vinyl via Bandcamp schon ausverkauft ist, das Artwork gefällt mir ebenso wie sein Inhalt.

Plank! – Volta Do Mar

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Ein Lied mehr XXIII: Computerstaat

Abwärts, 1980

Punk interessiert mich zwar längst nicht mehr so, wie es mal der Fall war, und sog. »Deutschpunk«, meist irgendwo zwischen Schenkelklopfen, Stumpfsinn und Stadionrock zu verorten, schon gar nicht. Aber Abwärts waren »immer anders«, wie es mal ein älterer Arbeitskollege ausdrückte, der Zeitzeuge dieser Band war. »Computerstaat« von 1980 ist musikalisch toll und textlich eigenwillig.

Vor ein paar Tagen las ich, dass bereits am 17. Januar Frank Z, der Gründer und Sänger der Band, gestorben ist. R.I.P.

Achtunddreißig Jahre

Apropos Tom Liwa:

Es gibt Bands, die brauchen achtunddreißig Jahre um ihr erstes Album rauszubringen. Als Mike Krollmann und ich Sundown gründeten war ich siebzehn und er zwanzig. Ich wohnte noch bei meinen Eltern und er hatte schon ein eigenes Auto. Wir waren Songschreiber auf Augenhöhe in der selben Band und versuchten uns mit jedem neuen Lied gegenseitig zu übertrumpfen – eine Erfahrung, die ich nur aus Beatles-Biografien kannte und die mir in der Form auch kein zweites Mal in meinem Leben vergönnt war. Ein paar intensive Jahre später trennten sich unsere Wege.

Die Geschichte hinter seinem Projekt Sundown, die mir auf eine seltsame Weise nahegeht. Vielleicht, weil sie an eigene musikalische Anstrengungen erinnert. Aber auch, weil Liwa die Aufnahmen mit einem alten Freund trotz ihres skizzenhaften Charakters als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet.

White Light/White Heat

Heute vor 56 Jahren erschien »White Light/White Heat«, das zweite, avantgardistischste Album von The Velvet Underground. Sagen wir es so: Ich würde »White Light…« immer noch vielem vorziehen. Aber so richtig anfangen konnte ich damit im Gegensatz zu allen anderen Platten von VU nie viel, abgesehen von »Here She Comes Now« und den ersten vier, fünf Minuten der über siebzehn, die »Sister Ray« dauert. Dass man mit dieser Platte »warm« wird, war vermutlich auch das letzte, was beabsichtigt war. Die große Ligne-Claire-Rangliste der Diskographie von The Velvet Underground:

1. The Velvet Underground & Nico
2. The Velvet Underground
3. VU (posthum)
4. Loaded
5. White Light/White Heat

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Ein Lied mehr XXII: Sweet Thing

Flowerpornoes, 1996

Ähnlich wie Ben hatte ich tagelang die Lieder von Blumfelds »L’etat et moi« im Kopf. Irgendwie mäanderte es dann zu Tom Liwa und den Flowerpornoes, die, musikalisch und textlich zwar ganz anders, in jener Zeit auch drei deutschsprachige Platten mit Guitarrenmusik veröffentlichten – um daraufhin für Jahre zu verschwinden.

Das letzte der drei Alben war 1996 »Ich & Ich«, und dieses akustische Stück hier ist natürlich kein anderes als eine quasi eins zu eins ins Deutsche übersetzte Coverversion des »Sweet Thing« Van Morrisons. Wenn auch damals »L’etat et moi« vielleicht mehr einschlug, sind mir heute die Stücke auf »Ich & Ich« doch näher. Ich werd’ gehen und reden und reden, in Gärten feucht vom Regen.

(In »Titelstory gegen ganzseitige Anzeige« sang Liwa übrigens: »Fünf Jahre nach mir und drei Jahre nach Blumfeld kaufen sie alles ein, was deutsch singt und laut genug lügen kann.«)

Ein Lied mehr XXI: In The Garden

Triste Janero, 1969

Der Januar, ein trauriger Monat. Das Jahr verlangt danach, mit Sinn gefüllt zu werden. Man spürt, wie viel Winter noch bevorsteht. Aus einer anderen Zeit weht die Musik von Triste Janero hinüber, einer Gruppe, die zwar die Tristesse des Monats im Namen trägt. Aber es ist eine warme Traurigkeit, denn wo die Bossa Nova, die Triste Janero offenkundig beeinflusste, herkommt, ist im Januar Sommer. Eine einzige Platte veröffentlichte diese Gruppe, die nicht aus Brasilien stammte, sondern aus Texas. Die Aufnahmen wurden übrigens so teuer, dass man aus Kostengründen ein »i« im Bandnamen streichen musste.